Aktuelles

Jahreshauptversammlung am 14.11.2019 bei Fam. Zluhan in der „Sängerklause“

Wie bei jeder JHV wurde auch dieses Jahr ein hochinteressanter Bilder-Vortrag gehalten. Erwin Gayer aus Nussdorf stellte dabei Teile seines über Jahre zusammengetragenen technikhistorischen Buches „Eine Gölte Wasser …“ über die Geschichte und Problematik der Wasserversorgung von Nussdorf vor.

Bis Mitte des 19. Jahrh. ruhte die Wasserversorgung auf Brunnen und „Pfützen“ (kleine Seen), die jedoch oft schmutzig waren, Krankheiten verursachten oder austrockneten. Erst durch den genialen – und leider heute vergessenen – Ingenieur Karl Ehmann (1827 – 1889) wurde ein eisernes Wasser-Druckrohr vom Kreuzbach nach Nussdorf verlegt. Das Wasser wurde durch eine Dampfmaschine hochgepumpt. Nussdorf war der Urtyp für die heutige moderne Wasserversorgung, andere Orte folgten, Ehmann entwarf danach viele weitere ähnliche Projekte bis hin zur Wasserversorgung der Schwäbischen Alb.

Der Verlauf der Jahrehauptversammlung war danach wenig spektakulär: Der 1. Vorstand R. Wahl  zeigte eine Überblick über die Veranstaltungen des vergangenen Jahres, der Schatzmeister R. Bolter konnte eine kleinen Zugewinn des Vereins darstellen, obwohl die erfolgreiche „Wilderer-Ausstellung“ recht kostenträchtig war. Ihm wurde durch die Kassenprüfer eine ordnungsgemäße Buchführung bescheinigt und der Vorstand entlastet. Als besonderes Projekt stellt R. Wahl die Sicherung der demnächst abzubauenden Gleise der WEG-Strecke vor: Sie entstammen aus vielen Gegenden Europas, für die Strecke wurde offenbar viele alte Gleise „recycelt“!

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Besichtigung des Heimatmuseums der Jauerniger 

Jeden 2. Sonntag im Monat kann man das schöne „Heimatmuseum der Jauerniger“ hinter Stadtkirche besichtigen. Die Jauerniger wurden vor Jahrhunderten wie die gesamten „Sudetendeutschen“ aus Deutschland in den bergigen Regionen zwischen dem Deutschen Reich und dem Habsburgerreich angesiedelt („Erzgebirge“). Sie entwickelten dort den Bergbau und das darauf aufbauende Gewerbe und später die dortige Industrie.

Nach dem 1. Weltkrieg erhielten sie leider nicht die vollen Bürgerrechte des neugegründeten Staates Tschechoslowakei, wurden ausgegrenzt und fühlten sich dadurch zunehmend als „Deutsche“. Nach Kriegsende mussten sie z.T. innerhalb von Stunden ihre Heimat verlassen. Die Jauerniger fanden in der Region um Vaihingen eine neue Heimat. Sie gründeten als Erinnerung das „Heimatmuseum der Jauerniger“. Es ist – insbesondere mit Führung – sehr empfehlenswert!

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Diskussion über die denkmalgeschützte Stallscheune in der Friedrichstraße

Dem grundsätzlichen Anliegen, die Freiflächen des ehemaligen Gutshofs Engel zu bebauen, kann man in keiner Weise ablehnend gegenüber stehen. Im Gegenteil: Vaihingen benötigt dringend einen weiteren Lebensmittelmarkt im nahen Umfeld des Stadtkerns und ebenso dringend benötigt Vaihingen weiteren Wohnraum. Freiflächen innerhalb des Stadtgebiets sollten vorrangig zu bebauen. Diese Ziele können jedoch unter Erhalt der Stallscheune (ca. 1900), Friedrichstraße 18, erreicht werden, denn das Gebäude kann dazu mit seinen großen Flächen einen erheblichen Beitrag leisten.

Die Stallscheune dokumentiert den Höchststand des landwirtschaftlichen Bauens in Vaihingen/Enz in der geschichtlichen Epoche des späten Königreichs Württemberg. Die idealtypische Struktur des Gutshofs mit repräsentativem Hauptgebäude,
ausgedehnter Stallscheune und diversen dokumentierten Nebengebäuden kann Gegenstand wissenschaftlicher Forschung sein. Die Eigentümerfamilie Engel nahm zeitweilig eine hervorgehobene Rolle in der Vaihinger Bürgerschaft einnahm.
Ebenfalls Gegenstand

Das solide gebauten Gebäudes ist gut renovierbar und durch das weite Innere gut zu nutzen. Das Dach übertrifft den für eine Scheune üblichen Standard erheblich: Die Walmspitzen sind repräsentativ in Blech gearbeitet (zum Teil leider abgängig). Genauso hochwertig im Stil der Zeit die eigentliche Bedachung: Doppelmuldenfalzziegel mit
profilierten Gratziegeln und Walmkappen.
Mit Blick auf die Gesamtanlage Gutshaus und Stallscheune kann festgestellt werden, dass eine für Vaihinger Verhältnisse einmalige und damit nicht alltägliche Anlage geschaffen wurde: Eine vergleichbare Anlage existiert in Vaihingen/Stadt nicht mehr. Der Gesamtanlage ist exemplarischer Charakter für den Historismus, konkret für den Neobarock zuzumessen.

Es wäre schön, wenn Behörden, Bauherren und Architekten genügend Kreativität und Mut entwickeln könnten, diese Anlage als „Schmuckstück“ in einem Gesamkonzept zu erhalten.

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  Geht Denkmalschutz mit Solarenergie zusammen?

Beim letzten Stammtisch des Geschichtsvereins wurde über die Probleme und Widersprüche diskutiert, die zwischen dem Denkmalschutz, der Nutzung und Renovierung des Denkmals und der für die Zukunft wichtigen Solarenergie bestehen. Bei zu strengem Denkmalschutz ist eine Nutzung/Renovierung gefährdet, das Denkmal zerfällt. Andererseits ist bei Renovierungen oft die Nutzung von alternativer Energie sogar vorgeschrieben. Daher sind Kreativität (der Besitzer und der Architekten) und Kompromissbereitschaft der Behörden notwendig. Auch Kirchen tragen schon Solaranlagen … (Link zur -> Broschüre zu Denkmalschutz und Solarenergie)   (Link zu -> „Solaranlagen und Denkmalschutz„)

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„Offene Türen gegen die Abrisswut“ historisch wertvoller Gebäude

Am Tag des offenen Denkmals forderte der Präsident des Landesamtes für Denkmalkunde, Claus Wolf, ein anderes Bewusstsein gegenüber der Abrisswut von historisch wertvollen Gebäuden.“Nicht nur mittelalterliches Fachwerk und Spitzgiebel sind schützenswert“, betonte er und verwies auf wichtige Bauwerke der „Nachkriegsmoderne“, z.B. das Ulmer Stadthaus von 1993 … auch in Vaihingen war und ist diese Problematik aktuell! (-> VKZ-Artikel vom 4.9.2019 )

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Überraschung beim Abbruch des Bahnhofhotels

Von vielen Vaihingern wurde der Abbruch des Bahnhofhotels (1904) bedauert, wurde doch dadurch das schöne Gebäudeensemble der Gründerzeit (um 1900) mit Bahnhof, Bahnhofshotel (später Kino) und Töpferei Trautmann zerstört. Beim Abbruch des Gebäudes ergab sich ein bisher wohl unbekannter Einblick in die ursprüngliche Architektur des Kinos:

Der ursprünglich Saal hatte eine – von der Kinodecke verborgene – Segmentbogendecke, die von warmgenieteten gebogenen Stahlträgern im Stil der Stahlarchitektur des 19. Jahrh.  getragen wurde. Der Zugang zu dieser Decke war hinter einer Dachklappe verborgen – es ist fraglich, ob das Denkmalamt bei der Untersuchung des Gebäudes vor Abbruch diese Struktur entdeckte. Es wäre geschichtlich hilfreich gewesen, diese außergewöhnliche Kontruktion beim Abriß des Gebäudes besser zu dokumentieren und zu fotografieren!

Solche Konstruktionen in der Stahlarchitektur der Kaiserzeit sind typisch für Bahnhöfe und Brücken. Als Saaldecken sind sie jedoch wegen der Zerstörungen im 2. Weltkrieg und und der nachfolgenden Neubebauung äußerst selten.

Als ein schönes Beispiel kann man in Stuttgart die „Alte Reithalle“ bewundern.

-> VKZ-Bericht zum alten Bahnnhofshotel/Kino

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