Die Vaihinger Gesellschaft für Stadtgeschichte, Museumsarbeit und Kultur e.V.

Website des Vaihinger Geschichtsvereins

DVG – Aktivitäten 2019

 Fröhliche Weihnachten …

Es gibt viele gute Internet-Seiten zur Tradition des Weihnachtsfestes, das ursprünglich ein weitverbreitetes „Neujahrsfest“ war, z.B. -> „die-geschichte-von-weihnachten-frueher …“

In den Niederlanden z.B. werden die Kinder schon am Nikolaustag beschenkt. Dort wird gerade heftig über die traditionellen „Mohren“ als Nikolaus-Begleiter diskutiert – ist das schon/noch Rassismus aus alten Kolonialzeiten? Darf/soll/muss man Traditionen reformieren, und das evtl. sogar immer wieder ? Auch Vaihingen hat ja mit seinen Diskussionen über den Ablauf des Maientages sein Traditions-Thema … trotzdem bleibt Weihnachten zumindest der wichtigste Fixpunkt im Familienleben in einer globalen Welt. Die Ökobilanz der Weihnachtsgeschenke diskutieren wir dann aber erst nach dem Silvesterfeier-Kater … (R. Bolter)

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Weihnachtsausstellung (im ehem. KERN-Gebäude)

Zur kalten Jahrezeit und zu Weihnachten gabs früher wie heute – kochen und backen …

Die nächste Schaufensterausstellung hat das Thema „Winter und Heizen damals“

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VKZ-Bericht am 13.12.2019 zum Stand der Verhandlungen über den Sendemast
VKZ-Bericht am 13.12.2019 zum Stand der Verhandlungen über den Sendemast

Diskussionen über den Mühlacker Radio-Sendemast

Seit 1927 gibt es in Deutschland regelmäßigen Rundfunkbetrieb – zuerst in Berlin. „Die Einweihung des ersten deutschen Großsenders mit einer Sendeleistung von 60 kW fand am 21. November 1930 statt. Bis zum 20. Dezember 1930 lief der von Telefunken gebaute siebenstufige Sender im Probebetrieb und nahm am 20. Dezember 1930 auf 833 kHz seinen Betrieb auf. Diese Sendeleistung erforderte eine Röhrenleistung von 360 kW, die von 18 wassergekühlten 20-kW-Röhren (Type RS255) aufgebracht wurden … Der wichtigste Antennenträger der Anlage ist seit 1950 ein 273 Meter hoher gegen Erde isolierter Stahlrohrmast 1,67 Meter Durchmesser, der 1950 errichtet wurde. Er diente als selbststrahlender Sendemast für Mittelwelle (Frequenz: 576 kHz, Leistung: 100 Kilowatt) … Seit 2012 ist die Anlage abgeschaltet“ (Wikipedia).

Was nun? Eigentlich wäre der Bund oder das Land (SWR) verantwortlich, scheuen aber die Kosten einer Erhaltung. Deswegen lehnt es die Stadt Mühlacker ab, für dieses einmalige technsche Denkmal verantwortlich zu sein.

Eigentlich ist es eine Schande für unsere technische „Industrienation“, viele Millionen für die Erhaltung der Schlösser und Burgen von z.T. schlimmen Adeligen aufzukommen, für 1  Mrd. die Staatsoper renovieren zu wollen, aber für die Erhaltung eines solchen einmaligen technischen Denkmals kein Interesse zu zeigen! Nur einige Vereine und Bürger*innen setzen sich dafür ein … die VKZ berichtet dankenswerterweise regelmäßig über diesen Skandal (R.Bolter)

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Jahreshauptversammlung am 14.11.2019 bei Fam. Zluhan in der „Sängerklause“

Wie bei jeder JHV wurde auch dieses Jahr ein hochinteressanter Bilder-Vortrag gehalten. Erwin Gayer aus Nussdorf stellte dabei Teile seines über Jahre zusammengetragenen technikhistorischen Buches „Eine Gölte Wasser …“ über die Geschichte und Problematik der Wasserversorgung von Nussdorf vor.

Bis Mitte des 19. Jahrh. ruhte die Wasserversorgung auf Brunnen und „Pfützen“ (kleine Seen), die jedoch oft schmutzig waren, Krankheiten verursachten oder austrockneten. Erst durch den genialen – und leider heute vergessenen – Ingenieur Karl Ehmann (1827 – 1889) wurde ein eisernes Wasser-Druckrohr vom Kreuzbach nach Nussdorf verlegt. Das Wasser wurde durch eine Dampfmaschine hochgepumpt. Nussdorf war der Urtyp für die heutige moderne Wasserversorgung, andere Orte folgten, Ehmann entwarf danach viele weitere ähnliche Projekte bis hin zur Wasserversorgung der Schwäbischen Alb.

Der Verlauf der Jahrehauptversammlung war danach wenig spektakulär: Der 1. Vorstand R. Wahl  zeigte eine Überblick über die Veranstaltungen des vergangenen Jahres, der Schatzmeister R. Bolter konnte eine kleinen Zugewinn des Vereins darstellen, obwohl die erfolgreiche „Wilderer-Ausstellung“ recht kostenträchtig war. Ihm wurde durch die Kassenprüfer eine ordnungsgemäße Buchführung bescheinigt und der Vorstand entlastet. Als besonderes Projekt stellt R. Wahl die Sicherung der demnächst abzubauenden Gleise der WEG-Strecke vor: Sie entstammen aus vielen Gegenden Europas, für die Strecke wurde offenbar viele alte Gleise „recycelt“!

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Herbst-Schaufensterausstellung

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steigende Bierpreise 1923

  Auch die Bierpreise erreichten 1923 astronomische Höhen … 

Fundstück aus Fam. Zluhans Sammlung.
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 Besichtigung des Heimatmuseums der Jauerniger 

Jeden 2. Sonntag im Monat kann man das schöne „Heimatmuseum der Jauerniger“ hinter Stadtkirche besichtigen. Die Jauerniger wurden vor Jahrhunderten wie die gesamten „Sudetendeutschen“ aus Deutschland in den bergigen Regionen zwischen dem Deutschen Reich und dem Habsburgerreich angesiedelt („Erzgebirge“). Sie entwickelten dort den Bergbau und das darauf aufbauende Gewerbe und später die dortige Industrie.

Nach dem 1. Weltkrieg erhielten sie leider nicht die vollen Bürgerrechte des neugegründeten Staates Tschechoslowakei, wurden ausgegrenzt und fühlten sich dadurch zunehmend als „Deutsche“. Nach Kriegsende mussten sie z.T. innerhalb von Stunden ihre Heimat verlassen. Die Jauerniger fanden in der Region um Vaihingen eine neue Heimat. Sie gründeten als Erinnerung das „Heimatmuseum der Jauerniger“. Es ist – insbesondere mit Führung – sehr empfehlenswert!

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 Geht Denkmalschutz mit Solarenergie zusammen?

Beim letzten Stammtisch des Geschichtsvereins wurde über die Probleme und Widersprüche diskutiert, die zwischen dem Denkmalschutz, der Nutzung und Renovierung des Denkmals und der für die Zukunft wichtigen Solarenergie bestehen. Bei zu strengem Denkmalschutz ist eine Nutzung/Renovierung gefährdet, das Denkmal zerfällt. Andererseits ist bei Renovierungen oft die Nutzung von alternativer Energie sogar vorgeschrieben. Daher sind Kreativität (der Besitzer und der Architekten) und Kompromissbereitschaft der Behörden notwendig. Auch Kirchen tragen schon Solaranlagen … (Link zur -> Broschüre zu Denkmalschutz und Solarenergie)   (Link zu -> „Solaranlagen und Denkmalschutz„)

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„Offene Türen gegen die Abrisswut“ historisch wertvoller Gebäude

Am Tag des offenen Denkmals forderte der Präsident des Landesamtes für Denkmalkunde, Claus Wolf, ein anderes Bewusstsein gegenüber der Abrisswut von historisch wertvollen Gebäuden.“Nicht nur mittelalterliches Fachwerk und Spitzgiebel sind schützenswert“, betonte er und verwies auf wichtige Bauwerke der „Nachkriegsmoderne“, z.B. das Ulmer Stadthaus von 1993 … auch in Vaihingen war und ist diese Problematik aktuell! (-> VKZ-Artikel vom 4.9.2019 )

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Überraschung beim Abbruch des Bahnhofhotels

Von vielen Vaihingern wurde der Abbruch des Bahnhofhotels (1904) bedauert, wurde doch dadurch das schöne Gebäudeensemble der Gründerzeit (um 1900) mit Bahnhof, Bahnhofshotel (später Kino) und Töpferei Trautmann zerstört. Beim Abbruch des Gebäudes ergab sich ein bisher wohl unbekannter Einblick in die ursprüngliche Architektur des Kinos:

Der ursprünglich Saal hatte eine – von der Kinodecke verborgene – Segmentbogendecke, die von warmgenieteten gebogenen Stahlträgern im Stil der Stahlarchitektur des 19. Jahrh.  getragen wurde. Der Zugang zu dieser Decke war hinter einer Dachklappe verborgen – es ist fraglich, ob das Denkmalamt bei der Untersuchung des Gebäudes vor Abbruch diese Struktur entdeckte. Es wäre geschichtlich hilfreich gewesen, diese außergewöhnliche Kontruktion beim Abriß des Gebäudes besser zu dokumentieren und zu fotografieren!

Solche Konstruktionen in der Stahlarchitektur der Kaiserzeit sind typisch für Bahnhöfe und Brücken. Als Saaldecken sind sie jedoch wegen der Zerstörungen im 2. Weltkrieg und und der nachfolgenden Neubebauung äußerst selten.

Als ein schönes Beispiel kann man in Stuttgart die „Alte Reithalle“ bewundern.

-> VKZ-Bericht zum alten Bahnnhofshotel/Kino

Diskussion über die denkmalgeschützte Stallscheune in der Friedrichstraße

Dem grundsätzlichen Anliegen, die Freiflächen des ehemaligen Gutshofs Engel zu bebauen, kann man in keiner Weise ablehnend gegenüber stehen. Im Gegenteil: Vaihingen benötigt dringend einen weiteren Lebensmittelmarkt im nahen Umfeld des Stadtkerns und ebenso dringend benötigt Vaihingen weiteren Wohnraum. Freiflächen innerhalb des Stadtgebiets sollten vorrangig zu bebauen. Diese Ziele können jedoch unter Erhalt der Stallscheune (ca. 1900), Friedrichstraße 18, erreicht werden, denn das Gebäude kann dazu mit seinen großen Flächen einen erheblichen Beitrag leisten. (-> Aktuelles)

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Besichtigung der Raussmühle in Eppingen, Führung durch Frank G. Dähling

„Die Raußmühle wurde 1334 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name geht auf den Müller Heinrich Ruthards zurück, nach dem die Mühle 1364 Rußmühl genannt wurde, woraus durch Lautverschiebung um 1500 dann Raußmühle wurde. Die dort sitzende Müllerfamilie, wegen der nicht einheitlichen Schreibung Rußmüller, Raußmüller und Rauschmüller genannt, kam um 1600 in den Besitz des Anwesens. Die Familie erlangte in Eppingen größere Bedeutung und stellte neben drei Eppinger Bürgermeistern auch Kirchenvorsteher, Forstmeister, Posthalter und Wirte. Im Dreißigjährigen Krieg war das Anwesen, das weit außerhalb der Stadtmauern Eppingens lag, wohl häufiges Ziel von Überfällen marodierender Soldaten, wurde mehrfach nach Zerstörung wiederaufgebaut und wechselte häufig den Besitzer.  Der letzte Pächter ab 1952 war Hermann Jandl, der zwar noch die Mühlenstühle instand setzte, aber den Mühlenbetrieb schon 1958 auf Veranlassung der Besitzer wieder einstellte. In der Folgezeit verfiel das Anwesen. Das Scheunendach stürzte ein, der Innenhof der Anlage wurde als Schrottplatz genutzt.

1976 kam die Mühle in den Besitz des Kunstmalers und Antiquitätenhändlers Frank G. Dähling, der das Anwesen mit Unterstützung der Heimatfreunde Eppingen und der UN-European heritages (work) campuses nach und nach renoviert hat.1996 wurde das Anwesen als Europäisches Kulturerbe ausgezeichnet“. (Wikipedia) Neben der Erhaltung der Mühle stellte er ein große Sammlung historischer Objekte zusammen.

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Maientagsausstellung 2019 „Alte Vaihinger Poststücke“ von Dieter Haupt im alten Stadtbahnhof

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Vorläufig letzte Besichtigung der „Bernhardskapelle“ („Kaltes Loch“) am 21./22.3.19

Das ehemalige Zisterzienserkloster Herrenalb hatte umfangreiche Zehntrechte in Vaihingen, die es mit Hilfe des benachbarten Pfleghofes eintrieb. Das Gebäude (Mühlstr. 34/4) war ein dazugehöriges klösterliches Lager-/Verwaltungsgebäude, direkt an der ehemaligen (inneren) Stadtmauer angebaut. Gesichert sind Bauarbeiten von 1473, dazu die Jahreszahl 1570 an der Hauptfassade. Im ersten Stock sind noch Reste von Wandmalereien der Kapelle aus dem 15./16. Jahrh. erkennbar.

Nach der württ. Reformation (1534) und dem dreißigjähigen Krieg (1618 – 1648) endete die klösterliche Nutzung, das Gebäude diente danach als Lagerhaus (auch für den Vaihinger Stadt-Wein) und als Arbeitshaus, auch  für Zwangsarbeiter im 2. Weltkrieg.

Das Gebäude gehört heute dem Land und wurde 2016 durch Ehrenamtliche (KZ-Gedenkstätte Vaihingen) gründlich gesichtet und geräumt. Besondere Funde waren „Feierabendziegel“ (besonders gekennzeichnet), ein mittelalt. Türschüssel aus Holz und zahlreiche Reste aus der Phase der Zwangsarbeit.

Da das Gebäude sehr baufällig ist (große Risse in den Wänden, verfaulte Dachbalken), wird es nun vom Land baulich gesichert und wird daher in nächster Zeit nicht mehr zugänglich sein.

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Führung durch das Strafvollzugsmuseum in Ludwigsburg mit Dr. Viehöfer am 14.4.19

Zuchthaus, Museum – und dann?

In dem 1748 errichteten Gebäude befand sich einst ein Zuchthaus, bis das Land die Haftanstalt Ende der 1980er Jahre auflöste, die Immobilie an ein Unternehmen verkaufte und sich im Gegenzug zusichern ließ, diese 25 Jahre lang nutzen zu dürfen. Seither gibt es das Museum, doch im Herbst 2017 läuft der Vertrag aus, und aller Voraussicht nach müssen die Exponate dann raus. Auch die Finanzierung macht Sorgen. Ursprünglich sei vereinbart gewesen, dass Förderverein, Land und Stadt je ein Drittel aller Kosten tragen, aber nach mehreren Einsparrunden sei der Anteil des Vereins stetig gewachsen, erzählt Viehöfer. „Das hat fast 30 Jahre geklappt, aber noch einmal 30 Jahre geht es so nicht weiter.“

Erste Konsequenzen wurden bereits gezogen. Seit Mai ist das Haus regulär nur noch an Sonn- Dr-Viehöfe2rund Feiertagen geöffnet, unter der Woche müssen Besichtigungstermine vereinbart werden. Da ist es fast kontraproduktiv, dass die Stadt am Bahnhof mit einem großen Plakat für den Museumsbesuch wirbt. Denn Viehöfer ist der einzige Mitarbeiter des Hauses, das in den vergangenen Jahren immer 4000 bis 7000 Besucher angelockt hat. Mehr wäre möglich, denn das Interesse sei groß, sagt er. „Aber mehr schaffe ich nicht.“ Viehöfer macht alles: Er putzt, macht die Aufsicht, die Führungen, alles, und das macht er gut …. („Stuttgarter Nachrichten“ vom 19.9.2016)

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Schaufenster-Ausstellung  im „Fladerer“ (Eberhard Steinhilber, Margret und Uli Simecek mit Unterstützung des Stadtarchivs)

Frühjahrsputz

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Der Wolf im Stromberg – sind wir darauf vorbereitet?

Im Rahmen der Ausstellung „Wilderer zwischen Stromberg und Kraichgau“ sprach MdL Dr. Markus Rösler am Mittwoch,6. Februar, 19.45 Uhr im Stadtarchiv zum Thema Wolf.

Der Landtagsabgeordnete und naturschutzpolitischer Sprecher der Grünen ist auch Wolfsbotschafter des NABU und sagt „Der Wolf kann gut mit Kulturlandschaften umgehen, er braucht keine Wildnis“. Baden-Württemberg sei vom Wolfserwartungsland zum Wolfsdurchreiseland und inzwischen „Wolfsland“ geworden. 1847 wurde zwischen Spielberg und Cleebronn der angeblich „letzte“ Wolf Württembergs im Stromberg erschossen. Nach Recherchen aus dem Jahr 2014 wurde das allerletzte Tier jedoch erst 1865 bei Siglingen im Jagsttal erlegt. In der Diskussion wurde angesprochen, welche praktischen Konsequenzen der Wolf für die Menschen der Umgebung hat und wie man mit den Ängsten in der Bevölkerung, bei den Tierhaltern und Jägern umgeht.

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„Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler“

(Ingeborg Bachmann, österreichische Schriftstellerin *1923 +1976)

Die Vaihinger Gesellschaft wünscht allen Mitgliedern und Freunden ein erfolgreiches und lehrreiches Jahr 2019

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