Kurze Geschichte von Vaihingen/Enz

Geschichte 800px-Horrheim,_Vaihingen_an_der_Enz,_Andreas_Kieser

  • Nachweislich ist das Gebiet schon seit 5000 v. Chr. besiedelt
  • Graf Gottfried von Calw-Vaihingen baut um 1230 planmäßig neben der um die Peterskirche bestehenden Ortschaft eine Stadt auf. Diese Stadt hat als Zentrum den Marktplatz und wird entlang der alten römischen Handelsstraße aufgebaut und mit einer Stadtmauer befestigt
  • Nach dem ersten großen Stadtbrand von 1291 verkaufen die Grafen nach und nach Besitz
  • In Folge dieser Verkäufe kommt die Stadt über den Markgrafen von Baden und 1334 den Grafen von Oettingen im Jahr 1393 an die Grafen von Württemberg
  • Im 15. Jahrhundert ist Vaihingen eine der reichsten Städte Württembergs
  • 1535 wird die Stadt Protestantisch, bis dahin gehörte sie zum katholischen Bistum Speyer
  • 1547 wird Vaihingen im Schmalkaldischen Krieg (1546-1547) von spanischen Truppen besetzt
  • 1617/1618 wird die Stadt durch zweit große Stadtbrände bis auf die Grundmauern zerstört
  • Im Pfälzischen Erbfolgekrieg brennt Vaihingen 1693 erneut fast vollständig ab
  • 1938 ensteht durch die Zusammenlegung der Oberämter Vaihingen und Maulbronn der Landkreis Vaihingen
  • Zum 1. Januar 1973 wird Vaihingen zur Großen Kreisstadt ernannt und kommt nach Auflösung des eigenen Landkreises zum Landkreis Ludwigsburg

Quelle: http://www.pfenz.de/wiki/Vaihingen_an_der_Enz#Geschichte

 Geschichte der Stadt Vaihingen an der Enz

Eine Besiedlung der Gegend um Vaihingen ist seit dem Frühneolithikum nachweisbar. Grabungen der vergangenen Jahre haben eine große Siedlung sowie zahlreiche Bestattungen der Linearbandkeramik (bandkeramische Kultur) freigelegt.[4]

Gegen Ende des 3. Jahrhunderts nach Christus drangen Alamannen in das römisch dominierte Neckarbecken ein und gründeten die meisten heutigen Ortschaften. Um 500 wurde das Gebiet um Vaihingen fränkisch, christianisiert und dem Bistum Speyer einverleibt. Bei der um 750 von Karlmann vorgenommenen Gliederung in Gaugrafschaften wurde Vaihingen dem Enzgau zugeordnet[5] und entwickelte sich zum Hauptort dieser Grafschaft. Dementsprechend stand der Vaihinger „Kirchherr“ bis zur Reformation dem Landkapitel Vaihingen des Archidiakonats Trinitatis im Bistum Speyer vor (siehe Karte).

Die erste urkundliche Erwähnung Vaihingens könnte schon 779 zusammen mit Grüningen und Hochdorf an der Enz in einer Urkunde über eine Schenkung des fränkischen Enzgau-Grafen Kunibert an das Kloster Fulda erfolgt sein.[6] Es ist jedoch nicht zweifelsfrei geklärt, ob es sich dabei um Vaihingen an der Enz oder um das im Spätmittelalter abgegangene Vöhingen bei Schwieberdingen handelte.

Um 1230 legt Graf Gottfried von Vaihingen (1189–1234) zwischen der schon 1096 erwähnten Burg Vaihingen (dem heutigen Schloss Kaltenstein) und der dörflichen Siedlung bei der Peterskirche die Stadt Vaihingen an. 1252 wird Vaihingen in einer Urkunde ausdrücklich als Stadt bezeichnet. Durch seine Ehe mit Agnes, Alleinerbin des edelfreien Belrein von Eselsberg, kann Graf Konrad II. von Vaihingen territoriale Zugewinne am Rand des Strombergs verbuchen und die Schutzvogtei über Kloster Rechentshofen übernehmen, die er zur Familiengrablege macht. Die im Erbe inbegriffene Burg Eselsberg wird später zum Hauptsitz der Grafen.

Nach dem Stadtbrand von 1291 verkaufen die Vaihinger Grafen große Teile ihres Besitzes. Stadt und Burg Vaihingen kommen über den Markgrafen von Baden 1334 an die Grafen von Oettingen und 1339 an die Grafen von Württemberg. Vaihingen wird württembergische Amtsstadt, 1758 Oberamtsstadt.Ensingen,_Vaihingen_an_der_Enz,_Andreas_Kieser

Unter Kaiser Karl V. wird 1519 Herzog Ulrich von Württemberg aus seinem Land vertrieben. Neuer Landes- und somit auch Stadtherr ist Kaiser Karl V., der Württemberg seinem Bruder Ferdinand abtritt. Mit Hilfe evangelischer Fürsten erobert 1534 Herzog Ulrich sein Land zurück und führt die Reformation ein, Vaihingen wird Sitz eines Dekanates. Im Schmalkaldischen Krieg (1546–1547) wird Vaihingen 1547 von spanischen Truppen besetzt.

Durch einen Brand im Jahr 1617 wird das Viertel zwischen Heilbronner Straße und Stuttgarter Straße zerstört. Ein Jahr später wird das Wohnviertel hinter dem Rathaus samt Stadtkirche Opfer einen weiteren Brandes.

Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) bringt auch in Vaihingen Not und Elend. Wechselweise sind Truppen der Protestanten und der Katholiken in Vaihingen einquartiert. Durch Plünderung und Requirierungen kommen Ackerbau und Handel zum Erliegen, es entstehen Hungersnöte. 1635 wütet die Pest, was die Einwohnerschaft weiter stark dezimiert. Es dauert trotz Einwanderung vertriebener Protestanten lange bist der Vorkriegsstand von etwa 1500 bis 1600 Einwohnern wieder erreicht ist. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697) wird 1692 Vaihingen von den Franzosen geplündert und brennt 1693 fast vollständig ab. Innerhalb der Stadtmauern bleiben nur etwa 20 Häuser von den Flammen verschont. Ab 1697 wird die Stadtkirche wieder aufgebaut, 1720 erfolgt der Wiederaufbau des Rathauses.

Während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701–1714), des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) und in den Koalitionskriegen (1792–1815) marschieren immer wieder Truppen durch die Stadt oder werden einquartiert. 1784 vernichtet ein Stadtbrand 30 Häuser.

Nach einer durch Missernten und Viehseuchen verursachten Hungersnot beginnt 1816/1817 ein wirtschaftlicher Aufschwung. Die Stadt wird zu klein. 1829 wird im Nordosten ein neues Tor errichtet, im Norden entsteht eine Vorstadt. In der Folge der Revolution von 1848 kommt es zu einer Wirtschaftskrise, verursacht durch Missernten und Inflation. Dieses veranlasst viele zur Auswanderung.

1853 wird die Württembergische Westbahn StuttgartBruchsal eröffnet, der nächste Bahnhof „Vaihingen-Sersheim“ ist jedoch drei Kilometer entfernt. Gerade in der Epoche der Industrialisierung wirkt sich der fehlende Bahnanschluss negativ aus, es kommt zu Abwanderungen von Unternehmen und Bevölkerung. Erst mit der Eröffnung der Vaihinger Stadtbahn bekommt Vaihingen 1904 Anschluss an das moderne Verkehrsnetz.

1938 werden die Oberämter Maulbronn und Vaihingen zum Landkreis Vaihingen zusammengelegt. Damit wird Vaihingen Kreisstadt.

Im unteren Glattbachtal wird im Juli 1944 das Konzentrationslager Vaihingen errichtet. Es war formal ein Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof. Hier mussten mehrere hundert KZ-Häftlinge, vor allem polnische Juden aus dem Getto Radom unter katastrophalen Bedingungen Zwangsarbeit verrichten. Ab November 1944 diente das Lager als »Kranken- und Erholungslager« für die rechtsrheinischen Außenlager von Natzweiler. In Wirklichkeit war es ein Sterbelager mit bis zu 33 Toten pro Tag. Von den Toten zeugt der KZ-Friedhof zwischen Vaihingen und Ensingen, auf dem Gedenksteine mit den Nummern 1-1.488 aufgestellt sind. Im Arbeitshaus auf Schloss Kaltenstein waren bis zu 600 Männer untergebracht, die dort wegen ihrer unangepassten Lebensweise, aber auch wegen krimineller und politischer Delikte gefangen gehalten wurden. Ein Mahnmal an der Außenmauer des Schlosses nennt 27 polnische, tschechoslowakische und deutsche Namen von Opfern.[7]

Am 8. April 1945 ist für Vaihingen der Zweite Weltkrieg beendet, es marschieren die Franzosen ein. Mit den Wahlen zu Gemeinderat und Kreistag und zur Verfassunggebenden Landesversammlung beginnt 1946 der Aufbau der Nachkriegsordnung.

Am 25. Juli 1969 kommt es in einer Tiefflugschneise zu einem Zusammenstoß von zwei Kampfflugzeugen vom Typ F-104 Starfighter der kanadischen Luftwaffe. Einer der Piloten kommt bei dem Absturz ums Leben, der andere konnte sich mit dem Schleudersitz retten. Der Treibstofftank einer Maschine durchschlug dabei das Dach eines Wohnhauses in Mühlhausen (Mühlacker). Bei Rettungsversuchen werden zwei Helfer durch eine Detonation schwer verletzt.

Im Rahmen der Gebietsreform der 1970er Jahre überschreitet die Einwohnerzahl der Stadt Vaihingen an der Enz die 20.000-Grenze. Daraufhin stellt die Stadtverwaltung den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt, was die baden-württembergische Landesregierung dann mit Wirkung vom 1. Januar 1973 beschloss. Zum gleichen Zeitpunkt wird im Rahmen der Kreisreform der Landkreis Vaihingen aufgelöst. Der östliche Teil und mit ihm die Stadt Vaihingen an der Enz kommt zum Landkreis Ludwigsburg, der westliche Teil wird Bestandteil des neuen Enzkreises.

Mit der Eröffnung der Schnellfahrstrecke Mannheim–Stuttgart erhält Vaihingen 1991 den neuen Bahnhof Vaihingen (Enz).

Religionen

Das Gebiet der Stadt Vaihingen an der Enz gehörte ursprünglich zum Bistum Speyer und war dem Landkapitel Vaihingen im Archidiakonat Trinitatis zugeordnet. 1535 führte Erhard Schnepf die Reformation ein. Die Stadt wurde bald danach auch Sitz eines Dekans innerhalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und blieb danach über viele Jahrhunderte eine überwiegend protestantische Stadt. Das Dekanat Vaihingen war und ist für das Gebiet des ehemaligen Oberamts Vaihingen zuständig. Im Stadtgebiet Vaihingens gibt es heute folgende Kirchengemeinden: Stadtkirchengemeinde Vaihingen sowie je eine evangelische Kirchengemeinden in den Stadtteilen Aurich, Ensingen, Enzweihingen, Gündelbach, Horrheim, Kleinglattbach, Riet und Roßwag.

Im 19. Jahrhundert zogen auch Katholiken nach Vaihingen. Doch gab es um das Jahr 1900 nur etwa 100 Katholiken gegenüber 2.785 Protestanten. Im Jahr 1938 erbauten sich die Katholiken dann eine eigene Kirche und 1958 wurde die eigenständige Pfarrei St. Anton gebildet, nachdem die Gemeindeglieder zunächst zur Pfarrei Hohenasperg, dann zum Stadtpfarramt Bietigheim und ab 1902 zu Mühlacker gehörten. Inzwischen hatte sich der Anteil der Katholiken in Vaihingen auf etwa 1/3 erhöht. Zur Pfarrei St. Anton gehören heute auch die Katholiken in Roßwag und Kleinglattbach, wo 1976 das Gemeindezentrum St. Bonifatius erbaut wurde. Auch in den anderen Stadtteilen Vaihingens wohnen heute Katholiken. In Enzweihingen wurde 1976 die Pfarrei St. Paulus gegründet. Die dortige Kirche wurde bereits 1967 erbaut. Die Pfarrgemeinde Enzweihingen ist auch für die Katholiken in den Stadtteilen Riet und Aurich sowie der Nachbargemeinde Eberdingen mit ihren Ortsteilen Hochdorf und Nussdorf zuständig. In Riet gibt es seit 1975 ein eigenes Gemeindezentrum St. Markus. Die Katholiken in Ensingen gehören zur Pfarrei St. Joseph Illingen. Seit 1964 gibt es in Ensingen jedoch eine eigene Kirche (Maria Königin). Die Katholiken in Horrheim gehören zur Pfarrei St. Stephanus Sersheim. Doch gibt es seit 1964/65 auch in Horrheim eine eigene Kirche (St. Martinus). Alle genannten Pfarrgemeinden mit Ausnahme der Pfarrei St. Joseph Illingen gehören zum Dekanat Ludwigsburg des Bistums Rottenburg-Stuttgart. Die Pfarrei St. Joseph und somit auch die Ensinger Katholiken gehören zum Dekanat Mühlacker.

Neben den beiden großen Kirchen gibt es in Vaihingen an der Enz auch Freikirchen, darunter eine Evangelisch-methodistische Kirche sowie die freie „Vineyard-Enztal“-Gemeinde. Die Liebenzeller Gemeinschaft ist mit Gemeinden in Aurich, Enzweihingen, Gündelbach, Kleinglattbach und Vaihingen vertreten. Die Pregizer Gemeinschaft ist in Enzweihingen vertreten.

Ferner hat die Neuapostolische Kirche in den Stadtteilen Ensingen, Horrheim und Vaihingen je eine Kirche.

Eingemeindungen

Folgende Gemeinden wurden nach Vaihingen an der Enz eingegliedert:

  • 1. Januar 1971: Enzweihingen
  • 1. Januar 1972: Kleinglattbach
  • 1. Februar 1972: Ensingen, Riet
  • 1. März 1972: Gündelbach, Horrheim und Roßwag
  • 1. Januar 1975: Aurich

Quelle : https://de.wikipedia.org/wiki/Vaihingen_an_der_Enz